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Großlandschaft Haardtgebirge
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Waldlandschaften
170.1 Neustädter Gebirgsrand
Der Neustädter Gebirgsrand bildet den östlichen Rand des Pfälzer Waldes an der Linie des Rheingrabenbruchs zur heutigen Rheinebene zwischen Albersweiler und Kallstadt und ist als Kulisse aus der Rheinebene weithin sichtbar und einprägsam. Der Gebirgsrand erreicht im Süden Höhen über 600 m, fällt dann allmählich nach Norden ab. Die höchste Erhebung ist der Gipfel der Kalmit als dem zweithöchsten Berg der Pfalz mit 673 m ü.NN.
Blick vom Eckkopf über die Gebirgskette nach Süden B. Ullrich
Der Gebirgsrand wird besonders in der Südhälfte von einer Vielzahl von Bachtälern tief eingekerbt. Der markanteste Taleinschnitt ist der des Speyerbachs bei Neustadt an der Weinstraße, der einen großen Teil des inneren Pfälzer Waldes entwässert.

Der Pfälzer Wald ist ein ausgedehntes Buntsandsteingebirge. Nur lokal, meist in den Taleinschnitten, stehen Gesteine anderer Epochen an, wie z.B. Gneis im Tal der Queich. Basaltvorkommen als Zeugen eines früheren Vulkanismus werden bei Forst abgebaut. Aus Buntsandstein bildeten sich in der Regel nur flachgründige, sauere, nährstoffarme, sandige Böden, die für die Landwirtschaft kaum geeignet sind. Wie das Kerngebiet des Pfälzer Waldes ist daher auch sein Randbereich nahezu geschlossen bewaldet.
Weinbergsterrassen bei der Wachtenburg B. Ullrich
Der Waldrand zur weinbaulich genutzten Unterhangzone der Haardt betont die bereits durch das Relief markant hervorgehobene Grenzlinie zwischen Rheinebene und Gebirge zusätzlich. Die Wälder der Randzone waren allerdings in früheren Zeiten durch Waldweide wesentlich lichter und wiesen Trockenvegetation im Unterwuchs auf, was stellenweise in Ansätzen noch erkennbar ist. Übergänge mit Weinbergs- und Obstterrassen prägen die Saumlinie zur Haardt.

Der Neustadter Gebirgsrand wird überwiegend durch lichte, mediterran anmutende Kiefernwälder geprägt, in deren Unterwuchs Besenheide und Heidelbeersträucher verbreitet sind. Die Randzone zu den Weinbergen wird jedoch durch ein mehr oder minder durchgängiges Band von Beständen der Esskastanie geprägt, die bereits zu Römerzeiten hier eingebürgert wurde. Sie werden teilweise noch heute als Niederwald genutzt. Laubwälder kommen ansonsten primär in schattigeren Lagen der Hänge vor.

Der Speyerbach wurde ebenso wie andere größere Gewässer schon früh für die Holztrift aus den Einschlagsgebieten im Pfälzer Wald zu den Handelsplätzen in der Ebene und zum Rhein ausgebaut. Die kleineren Bäche sind jedoch weitgehend naturnah erhalten und werden teilweise wie am Wachenheimer Bach von Bruchwäldern begleitet. Einige Täler im Süden sind in Abschnitten als Wiesentäler mit Feuchtgebieten ausgebildet.

Der Ostrand des Gebirges ist von einer Reihe von Burgen bzw. Ruinen besetzt. Besonders markante Blickfänge aus der Ebene sind die Ruinen des fast 1000 Jahre alten Klosters Limburg bei Bad Dürkheim sowie das Hambacher Schloss. Bei Neustadt erhebt sich über einer engen Talwindung des Speyerbachs die Ruine Wolfsburg, von der man entlang einer Felsrippe (Hohfels) zum Wolfsberg aufsteigen kann. Als Beispiel weiterer interessanter Gesteinsformationen ist das Felsenmeer am Südhang der Kalmit zu nennen. Von der Kalmit wie auch von anderen Aussichtspunkten hat man einen grandiosen Blick auf die Rheinebene, der bei klarer Sicht bis zum Odenwald reicht.

Die Wälder bergen zahlreiche Spuren frühgeschichtlicher Kulturen. Hierzu zählen keltische Befestigungsanlagen (Heidenmauer bei Bad Dürkheim, Heidenlöcher bei Deidesheim, Steinwälle am Königsberg) sowie Hügelgräber, Kultplätze, Opfersteine.

Der Gebirgsrand blieb im wesentlichen siedlungsfrei. An den strategisch bedeutsamen Ausgangspunkten der Haupttäler von Speyerbach und Isenach entwickelten sich die Städte Neustadt und Bad Dürkheim, die sich später auch in die Taltrichter ausgedehnt haben. Die Talgründe sind somit überwiegend bebaut. Als einzige Waldsiedlung des Landschaftsraums entstand Lindenberg in einem kleinen Seitental des Speyerbachs unterhalb einer ehemaligen Burg, in deren Burggraben eine mittelalterliche Kapelle steht. Heute sind die ortsnahen Bereiche der Rodungsinsel durch Streuobstwiesen geprägt, während große Teile der früheren Gärten und Gemengelagen – wie auch in anderen Teilgebieten des Landschaftsraums - der Wiederbewaldung überlassen wurden und nur noch an Terrassierungen und allmählich verfallenden Trockenmauern ablesbar sind.